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Gutes Olivenöl erkennen: Säuregehalt, Etikett und Geschmack
By Kevin
Hochwertiges Olivenöl kaufen ist schwieriger als es scheint. Der Markt ist unübersichtlich, Begriffe wie natives Olivenöl extra, kaltgepresst oder bio sagen wenig über die tatsächliche Qualität aus. Eine grüne Farbe, ein ansprechendes Etikett oder ein hoher Preis sind ebenfalls kein verlässlicher Indikator. Gutes Olivenöl erkennen erfordert Wissen über Herkunft, Verarbeitung, Säuregehalt und Geschmack. Wer diese vier Faktoren versteht, trifft beim Kauf deutlich bessere Entscheidungen.
Fehlt die Säuregehalts-Angabe auf der Flasche, ist das ein Warnsignal. Steht nur „natives Olivenöl extra“ ohne weitere Angaben, hat man wenig Information über die tatsächliche Qualität.
Woran erkennt man gutes Olivenöl?
Hochwertiges Olivenöl erkennt man an vier Faktoren: frische, gesunde Oliven als Rohstoff, kurze Zeit zwischen Ernte und Pressung, niedriger Säuregehalt unter 0,5 % und ein fruchtiger, leicht bitterer Geschmack mit pfeffriger Schärfe im Abgang. Fehlt eines dieser Merkmale, leidet die Qualität. Sind alle vier erfüllt, hat man ein natives Olivenöl extra, das seinen Namen verdient.
Qualität beginnt bei der Olive
Gutes Olivenöl kaufen beginnt lange vor der Flasche, im Olivenhain. Gesunde, unbeschädigte Früchte liefern ein stabiles, aromatisches Öl. Beschädigte oder überreife Oliven erhöhen den Säuregehalt noch vor der Pressung. Bestimmte Sorten liefern von Natur aus Öle mit höherer Aromadichte. Die auf Kreta verbreitete Koroneiki-Olive gilt als eine der besten der Welt: kleiner Ertrag, hoher Polyphenolgehalt, intensives Aroma. Mehr zur Sorte: Kretisches Olivenöl aus Koroneiki-Oliven.Zeit und Verarbeitung entscheiden
Zwischen Ernte und Pressung sollten möglichst wenige Stunden liegen. Jede Stunde Wartezeit erhöht den Säuregehalt und senkt den Polyphenolgehalt. Betriebe, die schnell verarbeiten, produzieren zuverlässig besseres Öl. Die Temperatur bei der Pressung spielt ebenfalls eine Rolle. Kaltgepresstes Olivenöl wird unter 27 Grad Celsius verarbeitet, so festgelegt durch die EU-Verordnung (EG) Nr. 1019/2002. Was dieser Begriff konkret bedeutet: Kaltgepresst oder raffiniert?Der Olivenöl Säuregehalt: der wichtigste Qualitätsindikator
Natives Olivenöl extra darf laut EU-Verordnung (EG) Nr. 2568/91 bis zu 0,8 % Säure enthalten. Hochwertige Öle liegen deutlich darunter:| unter 0,25 % | außergewöhnlich |
| unter 0,3 % | sehr gut |
| unter 0,5 % | gut |
| bis 0,8 % | gerade noch nativ extra |
| keine Angabe | Warnsignal |
Warum gutes Olivenöl bitter schmeckt
Viele halten Bitterkeit für einen Fehler. Das Gegenteil ist der Fall: Bitterkeit ist ein Qualitätsmerkmal. Sie entsteht durch Polyphenole, die natürlichen Antioxidantien der Olive. Je mehr davon im Öl stecken, desto bitterer schmeckt es und desto stabiler ist es gegen Oxidation. Dasselbe gilt für die pfeffrige Schärfe, die man hinten im Hals spürt und die manchmal zum Husten reizt. In der Fachsprache heißt dieses Phänomen pungency, und es geht auf Oleocanthal zurück, einen Stoff mit entzündungshemmender Wirkung. Ein Öl, das überhaupt nicht kratzt, hat davon wenig. Bitter ist also nicht gleich schlecht. Was du unterscheiden musst: Frische Bitterkeit kommt zusammen mit einem grünen, fruchtigen Aroma und wirkt lebendig. Ranzige Bitterkeit riecht stumpf nach altem Fett und kratzt ohne vorherige Frucht. Wenn ein junges Öl dir zu bitter ist, verliert sich das übrigens im Lauf des ersten Jahres von selbst.Der Geschmackstest: so verkostet man Olivenöl
Der Internationale Olivenrat (IOC) definiert drei offizielle Qualitätsmerkmale bei der Verkostung: Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe. So testest du selbst: 1. Einen Teelöffel Öl in ein kleines Glas geben, die Hand darauflegen und kurz mit der Handwärme erwärmen. 2. Hand wegnehmen, riechen. Frisches Öl riecht nach geschnittenem Gras, grünen Tomaten, Artischocke oder Mandel. 3. Einen kleinen Schluck nehmen und im Mund verteilen, dabei Luft einziehen. Das verstärkt die Aromen. 4. Schlucken und auf den Abgang achten. Ein leichtes Kratzen im Hals ist gut. Fehlen alle drei Merkmale und wirkt das Öl flach, fettig oder neutral, ist das kein Zeichen von Milde, sondern ein Qualitätsmangel. Echtes hochwertiges Olivenöl schmeckt nach etwas.
