Kaltgepresstes Olivenöl: Bedeutung, Güteklassen und Qualität

By Kevin

Auf Olivenölflaschen stehen Begriffe, die alle nach Qualität klingen: kaltgepresst, nativ, extra vergine, erste Pressung. Daneben gibt es raffiniertes Olivenöl, das im Regal oft direkt daneben steht und deutlich weniger kostet. Was diese Begriffe konkret bedeuten und worin sich die Güteklassen unterscheiden, ist selten erklärt. Dieser Artikel räumt damit auf: was kaltgepresst wirklich heißt, wie sich raffiniertes von nativem Olivenöl unterscheidet und woran man echte Qualität erkennt.

Was bedeutet kaltgepresst beim Olivenöl?

Kaltgepresstes Olivenöl wird durch ein mechanisches Verfahren gewonnen, bei dem die Oliven ohne externe Wärmezufuhr verarbeitet werden. Die EU-Verordnung (EG) Nr. 1019/2002 definiert als obere Grenze eine Temperatur von 27 Grad Celsius während der gesamten Verarbeitung. Hitze erhöht die Ausbeute, baut aber gleichzeitig Polyphenole, Vitamin E und Aromastoffe ab. Was den Charakter eines hochwertigen Olivenöls ausmacht, geht mit Hitze verloren.
Alter knorriger Olivenbaum in einem Hain, tiefstehende Sonne

Pressung oder Zentrifuge: was heute Standard ist

Das Wort Pressung suggeriert eine traditionelle Steinmühle. In der modernen Olivenölproduktion wird das Öl jedoch überwiegend durch Zentrifugation gewonnen. Der Begriff kaltgepresst bezieht sich heute auf die Temperatur des Gesamtverfahrens, nicht auf die Methode. Entscheidend ist, ob die gesamte Verarbeitungskette, also Mahlen, Mischen und Trennen, unter 27 Grad bleibt. Moderne Kaltextraktionsanlagen verarbeiten Oliven in geschlossenen Systemen und minimieren den Kontakt mit Sauerstoff, was die Oxidation reduziert. Das Ergebnis ist qualitativ gleichwertig mit traditioneller Pressung, oft sogar sauberer. Wir waren bei der Pressung dabei. Was dort zuerst auffällt, ist die Temperaturanzeige an der Anlage. Auf sie schauen alle, nicht auf die Ausbeute. Und der Geschmack direkt aus dem Auslauf ist ein anderer als der aus der Flasche zwei Wochen später: schärfer im Rachen, fast grasig, die Bitterkeit deutlich präsenter. Die 27 Grad sind dabei eine Obergrenze, kein Zielwert. In der Mühle, mit der wir arbeiten, liegt die Temperatur deutlich darunter.

Warum die Temperatur entscheidend ist

Polyphenole sind hitzeempfindlich. Bei Temperaturen über 27 Grad Celsius beginnen sie sich abzubauen. Das betrifft auch Vitamin E und flüchtige Aromaverbindungen, die für den charakteristischen Geschmack von nativem Olivenöl extra verantwortlich sind. Ein Öl, das bei hoher Temperatur verarbeitet wird, verliert diese Inhaltsstoffe dauerhaft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat dazu eine gesundheitsbezogene Aussage zugelassen. Der zugelassene Wortlaut lautet: Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Diese Aussage setzt voraus, dass das Öl einen ausreichenden Polyphenolgehalt hat, und der bleibt nur bei echter Kaltpressung erhalten.

Kaltgepresst oder raffiniert: der Unterschied

Raffiniertes Olivenöl entsteht, wenn ein Öl die Anforderungen für die native Güteklasse nicht erfüllt. Ursache sind meist beschädigte oder überreife Früchte, lange Wartezeiten vor der Pressung oder Fehler bei der Lagerung. Das Ergebnis wäre roh nicht genießbar, es riecht ranzig oder stichig und hat einen zu hohen Säuregehalt. Die Raffination korrigiert diese Fehler mit chemischen und thermischen Verfahren. Dabei wird das Öl entschleimt, neutralisiert, gebleicht und desodoriert, teilweise bei Temperaturen von über 200 Grad. Am Ende steht ein Öl, das geruchs- und geschmacksneutral ist. Nicht gesundheitsschädlich, aber praktisch frei von Polyphenolen, Aromastoffen und Vitamin E. Der Unterschied liegt also nicht in der Sicherheit, sondern im Rohstoff und in dem, was am Ende übrig bleibt. Bei nativem Olivenöl extra sind die Früchte so gut, dass keine Korrektur nötig ist. Bei raffiniertem Olivenöl war sie nötig. Praktisch heißt das: Raffiniertes Olivenöl ist günstiger und verträgt hohe Temperaturen, taugt aber nicht als Geschmacksträger. Wer Olivenöl kaufen möchte, das in Dressings, Marinaden oder über fertigen Gerichten wirkt, braucht natives Olivenöl extra aus Kaltpressung.

Die Olivenöl Güteklassen im Überblick

Die EU-Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 unterscheidet vier Handelsklassen und legt die Merkmale fest, nach denen ein Öl eingestuft wird. Der Säuregehalt ist dabei nur eines von mehreren Kriterien, aber das am leichtesten nachprüfbare:
Natives Olivenöl extra bis 0,8 % Säure, kein sensorischer Fehler, rein mechanisch gewonnen
Natives Olivenöl bis 2,0 % Säure, leichte sensorische Fehler erlaubt
Olivenöl (raffiniert und nativ gemischt) bis 1,0 % Säure, überwiegend raffiniert
Oliventresteröl aus dem Presskuchen gewonnen, unterste Stufe
Steht auf einer Flasche nur Olivenöl ohne den Zusatz nativ oder extra, handelt es sich um die dritte Klasse. Der Begriff extra vergine ist die italienische Entsprechung zu nativ extra und bedeutet dasselbe. Steinplatte mit Olivenzweigen, grünen Oliven und einem Steinmörser

Wie man echte Kaltpressung erkennt

Echte Kaltpressung erkennt man nicht nur am Wort auf dem Etikett. Laut den Qualitätsstandards des Internationalen Olivenrats (IOC) sind konkrete Hinweise auf tatsächliche Qualität: Säuregehalt unter 0,5 %, Erntedatum auf der Flasche, Sortenangabe und Angabe der Anbauregion. Steht auf dem Etikett nur kaltgepresst ohne weitere Angaben, ist das eine schwache Grundlage. Mehr dazu: Hochwertiges Olivenöl erkennen.

Kaltgepresst und Säuregehalt: der Zusammenhang

Olivenöl kaltgepresst zu verarbeiten ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für niedrigen Säuregehalt. Entscheidend sind auch die Qualität der Oliven, der Erntezeitpunkt und die Zeit zwischen Ernte und Pressung. Unser kretisches Olivenöl aus Koroneiki-Oliven vereint alle Faktoren: gesunde Früchte, Handernte zum optimalen Zeitpunkt, Verarbeitung am Tag der Ernte und Kaltpressung unter 27 Grad. Angestrebt ist dabei ein Säuregehalt unter 0,25 %. Mehr zur Sorte: Kretisches Olivenöl aus Koroneiki-Oliven. Gepresst und abgefüllt wird in Griechenland, direkt in der Mühle, mit der wir zusammenarbeiten. Das ist bewusst so: Je kürzer der Weg zwischen Ernte, Pressung und Flasche, desto besser das Ergebnis. Was wir beurteilen, ist der Betrieb, die Anlage und das Öl, das dabei herauskommt. Wer wir sind und wie wir arbeiten: Über Crete-Manufacture.

Kaltgepresst in der Küche: was es für die Verwendung bedeutet

Kaltgepresstes Olivenöl entfaltet sein Aroma am besten roh oder bei niedriger Hitze. Als Dressing, Marinadenbasis oder Finishing über gegrilltem Gemüse oder Fisch. Ob man damit auch bei höheren Temperaturen braten kann: Kann man mit Olivenöl braten? Für die optimale Wirkung sollte natives Olivenöl extra richtig gelagert werden. Mehr dazu: Olivenöl richtig lagern. Den Überblick über alle Grundzutaten der kretischen Küche gibt: Kretische Küche: die 5 wichtigsten Zutaten.

Fazit

Kaltgepresst ist ein sinnvolles Qualitätsmerkmal, aber kein Qualitätsversprechen für sich allein. Es beschreibt das Verfahren, nicht die Sorgfalt dahinter. Der eigentliche Unterschied zwischen nativem und raffiniertem Olivenöl entsteht lange vor der Presse, nämlich bei der Frucht. Entscheidend sind Rohstoffqualität, Erntezeitpunkt, Verarbeitungszeit und Temperaturkontrolle. Natives Olivenöl extra aus echter Kaltpressung mit Säuregehalt unter 0,5 %, Sortenangabe und Herkunftsregion ist das Ergebnis konsequenter Arbeit. Olivenöl kaltgepresst aus Koroneiki-Oliven von Kreta erfüllt diese Anforderungen, wenn es direkt vom Erzeuger bezogen wird.